Guerilla-Gardening

Gartenpiraterie jetzt auch in Essen

Guerilla-Kämpfer, die man sich gerne gefallen lässt. Sie kommen nachts und bepflanzen brach liegende städtische Grünflächen.

Sie kommen nachts und sind bewaffnet mit Spaten, Pflanzen und Gießkanne. Ihre Mission: die Begrünung der Innenstädte. Dort, wo die Stadt Flächen verwildern lässt, tauchen sie auf. Ob Verkehrsinseln, Gehwege, Seitenstreifen oder Baumscheiben - nichts ist vor ihnen sicher.

Städtische Flächen, die verwahrlost sind, brach liegen oder gar als Mülldeponie dienen sind die Ziele dieser Botanik-Aktivisten. In einer Nacht- und Nebelaktion befreien sie dann die Flächen von Unrat und pflanzen Krokusse, Tulpen, Narzissen, Primeln, Lavendel und was sonst noch gefällt. Die Guerilla-Gärtner verschönern so ihr Wohnumfeld und ernten mit ihren Aktionen auch in der Bevölkerung ausschließlich Lob und Anerkennung. Und sie gewinnen immer mehr Mitstreiter.

Nicht allen geht es dabei nur um die Verschönerung der Umgebung. Disteln auf den Golfplatz findet wohl eher derjenige schön, der ein Statement abgeben möchte.

Stadtverwaltung Essen ist nicht immer begeistert

Vor den Ordnungshütern müssen die Stadtverschönerer in Essen nicht unbedingt auf der Hut sein. Obwohl ihre Aktionen meistens illegal sind und ohne Genehmigung durchgeführt werden - Bußbescheide wurden bislang noch nicht ausgestellt. Und doch ist es auch der Reiz des Verbotenen, der manche zum Mitmachen motiivert.

Dennoch ist die Stadtverwaltung nicht ganz einverstanden mit den bunten Aktionen. Zwar möchten die Stadtväter diese Form des bürgerschaftlichen Engagements nicht unterbinden - es kommt ja auch immer etwas Gutes und Schönes dabei heraus- aber bündeln und koordinieren würden sie es gerne.

Guerilla-Gardening ist eine Bewegung

Lange, bevor Essener Flächen den Begrünungsaktionen zum "Opfer" fielen, hat es bereits andere Städte getroffen. Hamburg oder Berlin können ein Lied davon singen.

Angefangen hat dieser Trend bereits in den 70er Jahren in New York. Richtig groß wurden diese illegalen, unorganisierten Pflanzungen in London. Das liegt wohl nicht zuletzt wesentlich am Briten Richard Reynolds, dem "Guru" der Bewegung. Er wird nicht müde, mit seiner Idee des Guerilla-Gardening auf Tournee zu gehen und immer mehr Anhänger zu finden. Ganze Bücher hat er über seine Idee und seine Aktionen bereits veröffentlicht.

Ihm kommt es darauf an, dass neues Grün in den grauen Städten entsteht und dass sich immer mehr Menschen darum kümmern. Er kommt in die Städte - demnächst auch wieder nach Essen - gibt Ort und Zeitpunkt seiner nächsten Aktion bekannt und die Menschen kommen. Sie machen mit und sind begeistert von der Idee und finden schnell Gleichgesinnte.

Kunst oder Handwerk

Gartenarbeit ist per se wohl eher Handwerk als Kunst. Dennoch, berühmte Vorreiter wie Joseph Beuys und seine "7000 Eichen" in Kassel oder Ben Wagin und sein "Parlament der Bäume" an der Berliner Mauer machen stutzig. Sicher haben sie sich nicht als Umweltaktivisten gesehen, aber urbanen Lebensraum nachhaltig verändern wollten auch sie. Mit ihren Mitteln, und das sind die Mittel der Kunst.

Es bleibt jedem Guerilla im öffentlichen Garten selbst überlassen, ob er gärtnern möchte und einfach nur Blühendes pflanzt, weil er es schön findet, oder ob er mit seiner Pflanzaktion auch eine Botschaft vermitteln möchte. Alles ist möglich, alles darf sein.

Gudrun Dreier, Gudrun Dreier

Gudrun Dreier - In Essen habe ich Germanistik, Philosophie und Erziehunsgwissenschaften studiert, bevor ich mich nach bestandenen Prüfungen 1993 ...

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