Ingwer - Gewürz und Heilmittel zugleich

Eine asiatische Knolle erobert die deutsche Küche

Ingwerknolle - Gudrun Dreier
Ingwerknolle - Gudrun Dreier
Die Vielseitigkeit des Ingwers zeigt sich schon in der Vielfalt der Darreichungsformen. Grund genug, das Gewächs genauer unter die Lupe zu nehmen.

Ob als Extrakt, als Pulver oder frisch als Wurzelstock. Ingwer ist vielseitig in der Küche zu verwenden. Und doch ist er mehr als nur ein Gewürz, das den Speisen seinen ganz besonderen Geschmack gibt. Wie bei allen Gewürzen gehen auch von ihm heilsame Wirkungen aus.

Ingwer - die Pflanze

Entgegen des Sprachgebrauchs ist Ingwer keine Wurzel, sondern ein großer, fleischiger Wurzelstock, Rhizom genannt. Botanisch gehört er zu der Familie der Ingwergewächse, Zingiberaceae. Die bei uns verwendete Knolle, die Zingiber officiale Roscoe, ist unter den vielen Arten der Gattung der Zingiber die einzig genießbare.

Die genaue Herkunft der Pflanze ist nicht zu bestimmen, wahrscheinlich aber stammt sie aus dem südasiatischen Raum. Seine Heimat und die Urform sind unbekannt. Er wächst auch nicht mehr wild. Sicher ist, dass Ingwer in China schon vor 3000 Jahren bekannt war. Auch die Griechen und Römer kannten und handelten gemahlenen Ingwer.

Ingwer wächst in den Tropen und im subtropischen Raum. Die größten Anbaugebiete liegen heute in Indien, China, Indonesien, Japan, Australien (australischer Ingwer ist wegen der frühen Ernte nach fünf Monaten angenehm mild), Afrika (der schärfste Ingwer kommt aus Nigeria, ist allerdings arm an Aromen), Brasilien und Jamaika.

Ingwer - das Gewürz

Vor allem durch die chinesische und indische Küche ist Ingwer auch in Deutschland populär geworden. Als kandiertes Konfekt mit und ohne Schokolade und gemahlen war Ingwer auch bei uns schon länger bekannt. Und natürlich als Getränk, dem Ginger-Ale (Ingwerbier).

Jetzt taucht die Knolle als Gewürz auch in vielen Kochrezepten auf. Egal ob in Suppen, zu Fleisch- und Fischgerichten, in Saucen, Marmeladen oder Chutneys - Ingwer wird vielseitig verarbeitet. Auch in der Weihnachtsbäckerei darf Ingwer - hier meist als Pulver - nicht mehr fehlen. Ein Tee ist ebenfalls schnell aufgebrüht und wohltuend in seiner Wirkung.

Musste man bis vor nicht allzu lange Zeit noch in den Asialaden, um frischen Ingwer für ein Gericht zu bekommen, ist die Knolle mittlerweile für wenig Geld in jedem größeren Supermarkt zu haben.

Es ist der Geschmack, die Verbindung von süß und scharf, mit leicht zitronigem Aroma, das ihn als Gewürz so beliebt und vielseitig verwendbar macht.

Die Verarbeitung von Ingwer für die Küche stellt keine große Herausforderung dar. Beim Kauf sollte darauf geachtet werden, dass die Knolle fest ist und die Oberfläche seidig matt glänzt. Dann ist der Ingwer noch schön frisch. Ist er etwas älter, wird er holzig und verliert an Geschmack. Durch den geweihartigen Wuchs kann man dann genau den Ast verarbeiten, der von der Menge her für das Gericht geeignet ist. Hierzu wird der Ast einfach von der Knolle abgebrochen, geschält und gewürfelt, gerieben oder in Scheiben geschnitten.

TIPP: Ingwer lässt sich auch gut einfrieren. Es kann sich lohnen, eine ganze Knolle zu schälen und zu würfeln, und diese Würfel dann einzufrieren. Werden die Würfel in einem Gefrierbeutel wie ein Brett verteilt, können später Ecken portionsweise abgebrochen und weiter verarbeitet werden.

Ingwer - das Heilmittel

Wegen seiner erwärmenden, krampflösenden und anregenden Eigenschaften wird Ingwer viel in der traditionellen chinesischen und indischen Medizin sowie in der westeuropäischen Naturheilkunde verwendet.

Ingwer ist reich an ätherischen Ölen und fördert daher die Durchblutung. Die Schärfe geht auf Gingerole zurück, die nicht nur für den Geschmack zuständig sind. Gingerole wirken schmerzhemmend und regen Speichel- und Schweißfluss an. Im Magen sorgen sie für ein intensives Hitzegefühl und wirken sich auch sonst positiv auf den Verdauungstrakt aus.

Ingwer wird gerne genommen bei Übelkeit und Brechreiz. Auch die berüchtigte Reisekrankheit kann mit Ingwer - in Form von Tee - behandelt werden. Fieber, Grippe und Schüttelfrost soll er ebenfalls wirksam bekämpfen können.

Aber VORSICHT: wie bei allen Mitteln ist auch Ingwer nicht für jeden geeignet. Menschen, die zum Beispiel stark schwitzen, sind mit Ingwer nicht gut beraten.

Gudrun Dreier, Gudrun Dreier

Gudrun Dreier - In Essen habe ich Germanistik, Philosophie und Erziehunsgwissenschaften studiert, bevor ich mich nach bestandenen Prüfungen 1993 ...

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